Die Geschichte von St. Anna

 
St. Anna nach Bombenangriff 1945
Umbau des Hauses Hegaustraße 45 in ein Altenheim

Dekan Gottfried Kaiser kaufte am 14. Juli 1947 das Haus Hegaustraße 45, das im Krieg von einer 10-Zentner-Bombe zu 60 % zerstört worden war, von dem Schweizer Jakob Seifert, Bürochef der SSB, für 7000,-Sfr. Die Pfarrgemeinde Herz-Jesu brachte das Geld auf und wurde durch Gaben von Schweizer Geistlichen unterstützt. Zusätzlich gelang es im Juli 1948, mit der Firma Maggi ein Geländestück zu tauschen. Der Bau des ersten Altersheimes in der Erzdiözese, das eine Pfarrgemeinde errichtet hat, konnte beginnen. Mit Baukosten von 7.980,- RM und 30.000,- DM wurde das Haus hergerichtet und am 15. November 1949 konnten 15 alte Menschen einziehen. Bis Ende Januar 1950 hatte sich die Zahl auf 25 erhöht. Vom ersten Tag an waren Menschen aller Konfessionen willkommen. Die Leitung des Heimes wurde von der Kongregation der Benediktinerinnen von der Heiligen Lioba in Freiburg i.Br. übernommen. Oberin war Schwester Laurentia Feßler. Es fehlte überall an Geld, z.B. für die Anschaffung von Küchengeräten. So hoffte man, daß die alten Leute beim Einzug das eine oder andere dringend benötigte Gerät mitbringen würden.Manches Stück steuerte die Frauengemeinschaft der Pfarrgemeinde bei. Veranlaßt durch Pfarrer Johann Heidelberger aus Schienen, früher Vikar in Herz-Jesu, kamen im Herbst die Bauern von Schienen mit einem hoch beladenen Wagen und brachten ihre Erntespenden als Wintervorräte in die Keller des Altersheimes. In Hilzingen, Bohlingen und Überlingen a.R. fanden Herbstsammlungen statt und diese Gaben gelangten ebenso wie die des Erntedankfestes aus der Hilzinger Kirche in das Altenheim.

Erweiterungsbau an der Höristraße

Da das St. Anna-Heim damals das einzige Altenheim in Singen war, wurde ein Erweiterungs-bau dringend benötigt. Bei Bekanntwerden dieser Pläne meldeten sich gleich über 100 Personen aller Konfessionen und aus ganz Baden an. Mit Beginn der Planungen 1951 wurde der erste Altenheim e.V. gegründet. Mitglieder waren: Dekan Kaiser, Josef Straubinger, Berta Schädler, Erich Greuter, Franz Josef Lietz, Anna Faul, Wilhelm Feger. Gleichzeitig mit der Erweiterung des Altenheimes wurden der Gemeindesaal, drei Jugendräume im UG und ein Raum für die Borromäus-Bücherei gebaut. Der Anbau erhielt eine Hauskapelle, einen Speisesaal, eine große Freiterrasse, ein kleines Refektorium für die Schwestern, ein Verwaltungsbüro, eine Telefon- und Rufanlage, Signal- und Notbeleuchtung, Ölheizung statt Kohleheizung, sowie Bäder, die von einer umfangreichen Warmwasserbereitungs-Anlage gespeist wurden. Die Einzelzimmer waren noch recht klein ( 12 qm ) und in den größeren Zimmern ( bis 40 qm ) mußten zwei bis drei Personen untergebracht werden, aber alle Zimmer waren nun mit fließendem Wasser ausgestattet, bis auf jene im Dachgeschoß. Hier wurde ein besonderer Waschraum eingerichtet. Die Baukosten von 380.000,- DM bereiteten Dekan Kaiser manche schlaflose Nacht. Es war nicht ganz einfach, den Altbau mit dem Neubau zu verbinden, da man die Heim-bewohner nicht ausquartieren konnte , aber Architekt Franz Josef Lietz meisterte alle
Schwierigkeiten und so wurde der zweite Bau des Altenheimes am 6. Dezember 1953 eröffnet. Es erhielt den Namen St. Anna.  Vierundfünfzig alte Menschen fanden hier eine Heimstatt. Es herrschte eine sehr familiäre Atmosphäre. Schwester M. Fortunata Höfler schreibt in ihrer Chronik über das Wirken der Benediktinerinnen in St. Anna: "Das Wichtigste für den alten Menschen ist wohl nicht der materielle Luxus, sondern daß er sich begleitet weiß von echter menschlicher Fürsorge." Die Schwestern und Schwester Oberin Laurentia hielten stundenlange Sitzwachen an den Sterbebetten und kein Sarg verließ das Haus, ohne daß ein gemeinsames Vaterunser gebetet wurde.
 


Erweiterungsbau unter Pfarrer Merkert 

Großzügig sollte das St. Anna-Heim bis zum früheren Kindergarten an der Hadwigstraße für weitere 50 alte Menschen erweitert und mehr Komfort geboten werden. Die Zimmer erhielten Zentralheizung, fließend kaltes und warmes Wasser, Balkone, eine zentrale Übertragungs-anlage aus der Herz-Jesu-Kirche sowie einen TV-Anschluß. Die große zwei-stöckige Hauskapelle wurde gebaut und künstlerisch ausgestaltet. Auf der Empore dieser Kapelle können Bettlägerige den Gottesdienst mitfeiern. Im 3. OG wurde eine Pflegeabteilung eingerichtet. Eine moderne Großküche und der große Speisesaal, sowie Verwaltungsräume kamen hinzu. Auf jeder der drei Etagen entstanden Teeküchen und Gemeinschaftsräume zum Spielen, Musizieren und Lesen. Es gab eine Terrasse und eine Wandelhalle im 1. Stock. Endlich wurde auch ein Personenaufzug gebaut, so daß die Schwestern nicht mehr so viele Treppen steigen mußten. Am 27. Mai 1962 fand die Einweihung statt. Architekt Martin Graf übergab das neue Haus an Stadtpfarrer Richard Merkert. Geistl. Rat Dekan Kaiser war am 1. Mai 1959 in den Ruhestand gegangen. 105 alte Menschen konnten nun in St. Anna betreut werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1,35 Millionen DM. Trotz eines Zuschusses der Stadt Singen von 250.000,- DM und Zuschüssen von anderen Stellen war dies für die Pfarrgemeinde Herz-Jesu ein großes finanzielles Risiko. Deshalb war eine Bausteinspendenaktion gestartet worden. Vom 7. bis zum 14. Oktober 1961 hatte man in der Scheffelhalle einen großen Bazar durchgeführt. Viele Bastel- und Handarbeiten waren gefertigt, 150 Torten und 70 Pfund Kaffee, sowie eine Tombola mit 10.000 Losen gestiftet worden. Alle Gruppen der Pfarrei und die meisten Vereine der Stadt trugen zum Gelingen dieses Bazars bei. Das war der größte Bazar, der jemals in Singen stattgefunden hat. Die Kinder erhielten schulfrei, um am Kindernachmittag teilnehmen zu können.
Nach Fertigstellung dieses Erweiterungsbaus übernahm die Frauengemeinschaft kostenlos die Reinigungsarbeiten. Am Sonntag halfen Mädchen und manche Frauen aus der Pfarrei den Schwestern bei der Arbeit im Heim. Eine Singener Tageszeitung berichtet damals vom erstaunlich hohen Alter der Bewohner von St. Anna. Dies sei bedingt durch den gleichmäßigen Rhythmus des Tagesablaufs, durch die Kost, die den Bedürfnissen der alten Menschen angepaßt sei, durch die Liebe und den Eifer der Schwestern bei der Pflege und das Bemühen, eine Heimat zu schaffen und einen gesicherten Lebensabend zu gewährleisten. 

Neubau an der Hadwigstraße, Sanierung des Altbaus und der Küche

Durch den Ausbau der sozialen Dienste, die es den Menschen ermöglichen, bis ins fortgeschrittene Alter in ihrem häuslichen Umfeld wohnen zu bleiben, kamen immer mehr Pflegefälle ins Altenheim. Mit dem Bau des Pflegetraktes reagierte die Pfarrgemeinde auf diese neuen Anforderungen. Nach der Verlegung des Kindergartens in die Alpenstraße 2a konnte das alte Kindergarten-gebäude abgerissen und der Bau begonnen werden. Er erhielt 40 Zimmer, alle für Rollstuhlfahrer geeignet. Die Zimmer sind mit Balkonen, Naßzellen (Dusche/WC), Wandschränken und bei Bedarf mit Spezialbetten ausgestattet. Die weitere Einrichtung können die Heimbewohner mitbringen. Zur Hofseite hin entstand in jedem der vier Stockwerke ein offener Aufenthaltsraum. Den Eingang des Heimes verlegte man von der Höristraße in die Hadwigstraße. Die Gartenanlage im Innenhof wurde umgestaltet, zwischen Herz-Jesu-Kirche und St. Anna entstand ein Park, nachdem die Stadt Singen der Pfarrgemeinde das dortige Teilstück der Hadwigstraße geschenkt hatte. So können die Bewohner des Altenheimes, und nicht nur diese, dort ungestört und ungefährdet das schöne Wetter genießen. Am 23. Juni 1979 wurde dieser Bau eingeweiht und Architekt Wolfram Sauter übergab das Haus an die Pfarrei Herz-Jesu, vertreten durch Pfarrer Gebhard Reichert und die Mitglieder des Bauausschusses: Werner Bold, Hans Grade, Sr. Reginberta, Werner Schäuble, Karl Weber, Karl Weißenrieder, Gotthard Wolf, Vorsitzender: Georg Netzhammer. Die Baukosten von 3,5 Millionen DM wurden von der Pfarrgemeinde unter Mithilfe der Gesamtkirchengemeinde und mit Zuschüssen der Stadt Singen, des Landkreises Konstanz und des Landes Baden-Württemberg aufgebracht. Im Gegensatz zum dritten Bauabschnitt, als die MitarbeiterInnen des Pfarrbüros viele nächtliche Überstunden leisten mußten, um den Verwendungsnachweis für die 1,35 Millionen DM Baukosten zusammenzustellen, lag jetzt die gesamte Verwaltungsarbeit für den Neubau in den Händen von Hans Grade. Ab Spätsommer 1979 wurde der Bau aus den Jahren 1951/53 renoviert: Aus drei Zimmern wurden zwei. Im Dachgeschoß entstand die Klausur für die Schwestern. 1981 wurde auch die Küche restlos erneuert. In kürzester Zeit entstand eine moderne Großküche und somit wurden alle Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung geschaffen.
 
 
 Neugestaltung und Renovierung 1997

Bedingt durch die Umstrukturierung vom Altenheim zum Pflegeheim waren 1997 weitere bauliche Maßnahmen erforderlich. Für 1,5 Millionen DM wurden unter der Leitung des Architekturbüros Wuhrer umfangreiche Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten durchgeführt. Neue Pflegebäder wurden eingebaut, neue Pflegebetten gekauft und der Speisesaal umgestaltet. Aufenthaltsräume und Gänge im Mittelbau und dem Bau an der Höristraße wurden -jeweils farblich anders- hell und freundlich gestaltet und dazu passend abgestimmte neue Möbel und Vorhänge für Aufenthaltsräume und Speisesaal angeschafft. Der Balkon im dritten Obergeschoß wurde in das Gebäude integriert. Dort ist ein heller, wohnlicher Aufenthaltsraum entstanden. Verglasungen im alten Treppenhaus schützen die alten Menschen vor Zugluft.

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